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Mittwoch, den 7. Januar 2009
Auf den Spuren von Graf Eberhard Ein Jakobsweg führt auch durch unsere Region
Der Jakobsweg, der in vielen Ästen aus dem mittleren Europa in die galizische Metropole Santiago de Compostella ganz im Nordwesten der spanischen Halbinsel führt, und dessen Ursprünge auf die Zeit der Kreuzfahrer zurückgeht, als die europäischen Katholiken eben durch das von den Muslimen besetzte Jerusalem kein Pilgerziel mehr hatten, hat in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt. Zuletzt das heilige Jahr 2000 hat diesem über 2.500 Kilometer langen Weg eine enorme neue Blüte beschert, verstärkt auch durch einen neuen Trend der Selbsterfahrung, der mit der Herausforderung verbunden ist, sich auf einen so langen Weg zu machen. Die meisten der Modernen Pilger machen sich freilich erst ab der spanischen Grenze auf den Weg, wo immerhin auch noch rund 800 Kilometer Wegstrecke auf einen warten und einen viel Näher zu sich selbst bringen, oder sich neue Räume im eigenen Ich auftun, gemäß dem Leitspruch "Du stellst meine Füße in weiten Raum" als Psalm 31, der die Pilgern zum Schlüssel wurde. In Konstanz am Münster ist eine Tafel zu finden, die dort den Startpunkt einer der großen Jakobswege definiert und die Entfernung nach Santiago de Compostella mit 2.340 Kilometern angibt. Doch viele Äste führen bereits zu diesem offiziellen Startpunkt. Der in Wahlwies lebende Heimatforscher Fredy Meyer hat Ende 2007 ein beachtenswertes Buch über die Jakobswege herausgegeben, das sich mit den Wegen befasst, die eben bis aus der Region Stuttgart bis hier nach Konstanz führen. Er hat in seinem Führer so manches Kleinod behandelt, das auch die Entdeckung des Jakobwegs aus in unserer Region spannend macht, wenn es auch nicht unbedingt Dinge sind, die direkt mit den Jakobspilgern in Verbindung gebracht werden können, die eben aber doch am Weg liegen. Eine dem heiligen Jakob gewidmete Kapelle können die Wanderer allerdings nicht mehr entdecken. Sie stand einst im Stockacher Stadtteil Rißtorf, wo sich einst die Wege nach Konstanz, Freiburg und Schaffhausen gabelten, und wo es heute in Richtung Autobahn geht. Dort stand ab dem 14. Jahrhundert eine kleine Jakobskapelle, die dort wohl bis zum Ende des 19. Jahrhundert gestanden hat. Heut erinnert nur ein Straßenname Jakobsgutweg an die frühere Bedeutung dieses Orts. Stifter waren die Herren von Bodman, die die Kapelle für die vielen Pilger erbauen ließen, die damals diesen Weg in Richtung Konstanz nahmen. Seit 1510 gab es in Stockach übrigens auch eine Jakobsbruderschaft, doch schon viel früher, nämlich bereits um das Jahr 1071 begab sich Graf Eberhard der Selige von Nellenburg nach einen Traum, in dem im ein Ritter Mangold zur Pilgerreise geraten hatte, um ihn vor ewiger Verdammnis zu retten, die Reise nach Spanien an. Für uns heutige Bewohner der Region ist es so nun sozusagen möglich, auf den Spuren des Grafen Eberhards durch den Hegau zu wandeln. Und dabei unsere Heimat mit anderen Augen neu zu sehen. Fredy Meyer hat den Hegauer Jakobsweg in drei Etappen eingeteilt. Vom Startpunkt in Wald (bei Sauldorf) sind es in der ersten Etappe rund 23 Kilometer durch schönes Hügelland bis nach Stockach. Der Jakobsweg ist hier tatsächlich schon mit kleinen Schildern mit der Jakobsmuschel ausgezeichnet. Auf dem Weg kommt man zunächst nach Sentenhart mit seiner schönen Wehrkirche, um dann in Mindersdorf im Landkreis Konstanz anzukommen. Dort führte schon ab dem 9. Jahrhundert eine alte Reichsstraße durch. Die Pfarrkirche St. Laurentius und Oßwald prägt das Erscheinungsbild des kleinen Orts, ist allerdings erst zu Anfang des letzten Jahrhunderts am Neugotischen Stil entstanden, birgt aber unter anderem ein spätgotisches Vesperbild in ihrem Inneren. Über die kleinen Weiler Steighöfe, Ursaul und Hengelau, gelangt man über den sogenannten Quellwanderweg bis nach Stockach, das mit seiner malerischen Innenstadt, dem Stadtmuseum und der Kirche St. Oßwald lohnende Ziel enthält. Obwohl auch St. Oßwald 1932 neu erbaut wurde, gibt es hier zahlreiche Zeugnisse aus der Vorgeschichte der Kirche zu sehen. Aus der Stockacher Oberstadt gelangt man über die Kirchhalde direkt vor St. Oßwald in die Unterstadt und kann noch der Wallfahrtskirche in Hindelwangen einen Besuch abstatten, die in ihren Ursprüngen aus dem Jahr 1243 stammt und in der auch noch ein Epitaph von Grab Eberhard aus dem Jahr 1371 zu finden ist. Der eigentliche Weg führt allerdings in Richtung der Loretokapelle aus dem Jahr 1724, das dem "heiligen Haus" in Nazareth nachgebildet ist. Die Kirche war tatsächlich eine Station früherer Pilger, der Pilgerstab, wie der obligate Rosenkranz und die Pilgertasche sind hier in einem Epitaph zusammen mit dem Schädel Adams, in Barockzeiten ein beliebtes Sinnbild der Ursünde Adams abgebildet. Weitere Etappen dieses Jakobswegs führen über Ludwigshafen und Bodman nach Radolfzell, und dann über den Bodanrück nach Konstanz. -of- Kasten: Das Buch "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" von Fredy Meyer, das es in den regionalen Buchhandlungen gibt, kann dem "Pilger" unserer Zeit sehr viele Hinweise zur genauen Wegstrecke mit allen Kreuzungen geben. Zudem sind bei den jeweiligen Etappen alle historisch bedeutsamen Fakten zu den Kulturdenkmälern entlang der Wegstrecke aufgeführt. Auch alle bedeutsamen Adressen zu weiteren Erkundung rund um die Wegstrecke sind darin zu finden.
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