|
|
Mittwoch, den 7. Januar 2009
Komödie um Kleinkind Laienspieler Schienen überzeugten
Schienen (pud). Ein neuer Erdenbürger stellt die Welt auf den Kopf. Sein fröhliches Lachen verzaubert den karrieregeilen Bürgermeister (Andreas Massler), der zu einem Mensch mit ausgeprägten Vatergefühlen mutiert. Sogar ein normalerweise nicht gern gesehener Landstreicher (Jürgen Büche) wird von der Polizei (Martin Konz) gelobt. Diese Wandel vollzogen sich auf der Bühne der Turnhalle in Schienen. Acht Laienspieler des Musikvereins Schienen führten unter der Regie von Adalbert Köpfler die Komödie "Baby wider Willen" von Bernd Gombold auf. An zwei Abenden war die Halle mit rund 200 Personen ausverkauft, die jeweils vier Stunden mit reichlich strapazierten Lach- und Sitzmuskeln aushielten. Sie nahmen beides gern in Kauf, weil die sehr guten Schauspieler spritzige Kurzweil boten. Nicht nur ein optischer Genuss war beispielsweise, als der Landstreicher mit Hilfe der cleveren Rathausangestellten (Veronika Vestner) der Bürgermeister-Mutter (Birgit Dietrich) eine Gesichtsmaske aus Ketchup, Mayonaise und Senf auflegte. Gelungen war der Regieeinfall, das Stück mit lokalen Bezügen zu würzen, die durch den heimischen Dialekt besonders gut schmeckten. So passierten die Verwicklungen um ein vermeintlich entführtes Baby im Rathaus Öhningen. Man erfuhr, dass ein Öhninger Bürger regelmäßig Sexmagazine liest. Die wichtigste Amtshandlung des Schultes bestand in der Einweihung eines vom Gewerbeverein gespendeten Fahrradständers zu "Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur". Zudem musste er den stets müden Gemeindearbeiter (Ulrich Nägele) antreiben, sich mit einer petzenden Bürgerin (Sabine Grieger) abplagen und die Ehefrau (Yvonne Boos)) ertragen. Gekonnt agierten "Frischlinge" wie der erstmals spielende Konz neben "alten Hasen" wie Dietrich mit ihrer 20-jähriger Bühnenerfahrung. Im kleinen Schienen mit seinen rund 750 Einwohnern und im noch kleineren Musikverein scheinen die Schauspieltalente nicht auszugehen. Hoffentlich trifft dies auch auf die Regie zu. Denn nach der zweiten Aufführung verkündete Köpfler (76) seinen endgültigen Abschied. Mehrere Jahrzehnte hatte er die Schiener Truppe erfolgreich geleitet. Zum ersten Mal stand er 1949 auf der Bühne, sechzehn Jahre später fiel sein letzter Vorhang als Schauspieler. 
|
|
|