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Mittwoch, den 7. Januar 2009
Fliegt uns Ökosystem um die Ohren? CDU-Klimafachmann Andreas Jung will Schlupflöcher
Radolfzell (li). Das Thema beschäftigt derzeit alle: Wird die vieldiskutierte Wirtschaftskrise dazu genutzt werden, den Klimaschutz wieder in den Hintergrund zu drängen? Bei den Radolfzeller Naturschutztagen stellte sich mit Andreas Jung ein ausgewiesener Klimaschutzfachmann der CDU am Sonntag rund 500 Tagungsteilnehmern und erhielt immer wieder artigen, aber zustimmenden Beifall. Jung hegt den Verdacht, dass jene, die immer schon gegen Maßnahmen zum Klimaschutz gewesen seien, jetzt wieder ein neues Schlupfloch suchen und finden. Diese Schlupflöcher will er durch geschickte Argumentation stopfen. Die Gegner sagten plötzlich, die Situation rund um das Klima sei eben doch nicht so dramatisch, schließlich hätten wir erst ein anderes, nämlich das wirtschaftliche Problem zu lösen. Jung hält das für fatal: Was sei denn, wenn uns das ganze Ökosystem dann wirklich um die Ohren fliege?! Das Gesundbeten der Probleme kennt Jung schon von seinem Vorgänger und politischen Ziehvater Hans-Peter Repnik. Als der Katalysator zur Debatte gestanden habe, seien am Montag die Lobbyisten der Automobilindustrie bei Repnik vorstellig geworden, um das Katastrophenszenario für die Branche darzustellen, wenn die deutsche Politik den Einschnitt wage. Am Mittwoch habe der Bundestag den Katalysator beschlossen und am Samstag hätten die Automobilhersteller in den Zeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet und den Katalysator als Heilsbringer gepriesen. Das Ergebnis: Deutschland sei Vorreiter gewesen und habe international davon profitiert. Auf solche Konzepte und Wirkungen setzt Andreas Jung auch für die Zukunft. Nach dem Börsen-Flopp sollten die Leute wieder in reale Dinge investieren. Und dafür gebe es eine Menge für den Klimaschutz zu tun. Seine Botschaft war am Sonntag durchaus nachhaltig, zumal hinter ihm Bene Müller das Erfolgskonzept von Solarkomplex auf der Tagung darstellen konnte. Jungs Credo: Wer erneuerbare Energien fördert, lässt die Wertschöpfung vor Ort. Dass wir heute bei 15 Prozent Anteil erneuerbarer Energien seien, hätte vor Jahren niemand geglaubt. Aber: 85 Prozent sind noch übrig. Seinen Beifall holte sich Jung mit dem erfolgreichen CDU-Antrag seines Kreisverbands, keine neuen Kernkraftanlagen mehr zu schaffen. Aber: Einen Ausstieg ohne Alternative könne es nicht geben. Dass Jung die Atomenergie als "Brückentechnologie" bezeichnete, brachte ihn beim Kongress gleich Kritik ein: Das sei keine Brücke. Jung konterte: Eine Brücke führe zu etwas Neuem hin. Jung setzt auf die Förderung der Gebäudesanierung. Da könne jeder etwas direkt tun. Aber er blickt auch über die Kontinente hinweg. Die dritte Welt habe 2005 durch die Verteuerung des Öls soviel mehr dafür zahlen wie die ganze Entwicklungshilfe ausmache. Verzicht will Jung nicht predigen, aber einen Aufbruch aller zum technologischen Fortschritt. Er hoffe beim Klimaschutz auf die neue amerikanische Regierung: In 16 Tagen werde es mit dem Klimaschutz weltweit auf jeden Fall besser werden.
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