|
|
Mittwoch, den 7. Januar 2009
Unbefriedigte Lachlust Woody Allens Geschlechterkampf in der "Färbe&
Singen (li). Singen. "Spiels's nochmals, Sam" von Woody Allen ist ein Klassiker, aber dennoch nur eine Momentaufnahme des Menschheitsthemas, wie Männer und Frauen miteinander, nebeneinander oder gar zusammen leben können, leben wollen, leben müssen. Die Inszenierung von Manfred Beierl lebt in der Singener "Färbe" von einem analytischen Dreisprung, der das Lachen des Publikums immer wieder einmal zum Widerspruch werden lässt. Das Stück hatte 1972 Premiere und war vor allem durch seinen so ungekannten Sprachwitz ein Knaller. In ihm lebt aber auch der Mythos von "Casablanca" und Humphrey Bogart aus dem Krieg wieder auf, der als Idol des eher drögen Filmkritikers Allan Felix (wo ist der glücklich?) zu seinem Ratgeber in Sachen Frauen wird und sogar selbst die Bühne betritt. Dazu gibt es in der "Färbe" stets die passende Musik, die manchen Besucher dahinfließen lässt: "Schau mir in die Augen Kleines . . ." Die Perspektive Allens ist durchaus eine Männersicht des Themas, da kommt dann schon Protest bei den Frauen im Publikum auf. Schließlich leben wir im Jahr 2009. Und dieser intellektuelle Dreisprung macht dann auch den Reiz des Stücks aus. Da lässt sich die Nancy nach zwei Jahren Ehe von ihren Allan wegen "unbefriedigter Lachlust" scheiden. Und heute? Heute werden 40 Prozent aller Ehen auch in unserer Region geschieden. Das Zusammenleben von Mann und Frau ist offenbar eher noch komplizierter geworden. Darüber lachen zu können, entspannt auf jeden Fall. Wenn Linda zur Schicksalsmelodie zum Großangriff auf Felix bläst, dann fassen viele Männer neuen Mut. Manfred Beierld präsentiert eine geschlossene Ensemble-Leistung mit glänzender Rollenverteilung. Da helfen die drei Bühnenbilder von Gero Hellmuth glänzend mit. Diese Mischung von Realität und Traum wird durch Elmar F. Kühling als Humphrey Bogart glänzend verkörpert. Gero Hellmuth hat ihn zugleich als Scherenschnitt im Cafe-Bild ausgespart. Auf der anderen Nebenbühne erscheint Helen Schilp als Nancy, aber auch als Blondine schlechthin, von der Felix (Maximilian Schön) immer träumt, aber am Schluß erst nahe kommt, weil er nun genug von Meister Bogart gelernt hat. Maximilian Schön und Kevin Klisch (hier als Freund Dick Christie) entwickeln sich in der "Färbe" immer mehr zum eingespielten Duo. Klisch ist als schlechter Geschäftsmann (50 Hektar atomverseuchtes Gelände gekauft!) mit seiner ganzen Hektik eine weitere Spiegelung der Seele des verträumten Filmkritikers, der ebenso längst den Boden der den Füßen verloren hat. Linda Christie ist da anders gestrickt: Isabelle Weh entdeckt, dass der wegen seiner Frauenproblematik umsorgte Freund des Mannes auch für eine eigene Nacht zu erwecken ist. Da ist sie wieder da, die Lachlust. Da kann dann jeder für sich mit nach Hause nehmen. Hans Paul Lichtwald
|
|
|